Teil eines Werkes 
3. Band (1875)
Entstehung
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zwar keine Braut für einen Edelmann mit doppelter Ahnenprobe geweſen, aber jeder Mann von Ehre hätte ſie heimführen gekonnt als die Gattin ſeiner Wahl. Seitdem aber war die von ihm verführte und ver⸗ laſſene Geliebte zwar eine große Sängerin geworden, ſie hatte aber durch die traditionelle Ungebundenheit ihres Standes die Eigenſchaften verloren, die die Frau ſich erhalten haben muß, der ein Mann, ohne vor ſich erröthen zu müſſen, ſeinen Namen anvertrauen kann.

Das waren ſeltſame Gedanken für einen Mann im Brautſtande, von dem man ja ſo gerne behauptet, daß er die ſchönſte Epoche des Lebens umſpanne. Aber Baron Sternenkron liebte das Leben, er war nicht Renommiſt genug, um gedankenlos davon frei⸗

willig Abſchied zu nehmen, aber auch zu ſchwach, um

es durch eigene Kraft ſich jeden Tag neu zu gewinnen. Er hatte vielleicht mehr Kenntniſſe, Wiſſen und Cha⸗ rakter, wie eine Menge ſeiner Standesgenoſſen, aber er hatte auch alle ihre Vorurtheile und entbehrte vor Allem der Erkenntniß, daß die Baſis alles Lebens, aller Genüſſe die Arbeit ſei. Aus dem Mangel

Geiſtig faſt gebrochen, ſitzt noch immer der Baron in ſeinem Stuhl am offenen Fenſter. Wieder tönen Glockenſchläge vom nächſtgelegenen Kirchthurme, ſie verkünden die Stunde des Sonnenaufgangs. Die kurze Mitſommernacht naht ihrem Ende, ſchon lichtet ſich im Oſt das Firmament, eine friſche Briſe ſtreicht über den Boden, die Erde beginnt ſich zu recken und