58
des Corridors ging die Frau des dort wohnenden ctors vorüber, ſo daß Apollonia ſich genöthigt ſah, um kein Aufſehen zu erregen, den erhaltenen Kuß— dder eigentlich die Küſſe, denn es waren mehrere, die ſich Herr Hohl genommen— ohne wei⸗ teren Proteſt„auf ſich beruhen zu laſſen.“ Auch Hohl gewahrte die Frau Salzfactorin, von der er überzeugt war, daß ſie, ſo lange er hier ſtand, um keinen Preis der Schöpfung ihren Beobachtungspoſten verlaſſen würde, weshalb er ſich nach der beſten Verbeugung, die ſeine Wohlbeleibtheit ihm geſtattete, entfernte.
„Eigentlich iſt's doch ſchade, daß Hohl ſchon eine Frau hat,“ überlegte ſich Apollonia nach dem Weg⸗ gange des Redacteurs, von dem ſie wußte, daß er in ſehr guten Verhältniſſen lebe,„aber dagegen iſt nichts mehr zu machen, und ſeine Frau macht noch gar keine Miene, mir zu Gefallen vom Schauplatz abtreten zu wollen.“
Nach dieſem praktiſchen Monolog kehrte ſie in's Krankenzimmer zu dem geliebten Emil zurück, um die Mutter daſelbſt abzulöſen.
Als die beiden Liebenden wieder allein waren, wollte Emil das vorher von Hohl angeregte Geſprächs⸗ thema weiter führen, aber Apollonia wehrte es ihm, weil er ſich zu ſehr aufrege und ohnedem ſich während Hohl's Anweſenheit ſchon durch zu vieles Sprechen gegen die Anordnungen des Arztes verfehlt habe.
Wohl oder übel mußte Emil ſich unter das ſtrenge Commando ſeiner ſchönen und geliebten Krankenwär⸗ terin bequemen, die ſich in den Lehnſtuhl ſetzte und ihren Gedanken Audienz gab.


