Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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material nicht mehr zureicht. Jetzt merkt's erſt ein winziger Bruchtheil meiner Zuhörer und dieſe Wenigen finden ſchließlich noch Erſatz für das, was ich nicht mehr zu bieten habe, in dem, was ich beſitze: in meiner Schule. Aber laſſen Sie noch einige Jahre in's Land gehen, ſo kommen die bekannten niederträchtigen Ur⸗ theile: ſchade, daß dieſe ſo vortrefflich geſchulte Stimme gelitten zu haben ſcheint oder: die gefeierte Künſt⸗ lerin leidet ſchon ſeit geraumer Zeit an Ermüdung der Stimme u. ſ. w. Das kann nicht ausbleiben, denn zuletzt merken es ja ſogar die Recenſenten, wenn man die Stimme einbüßt und man ſteht dann klagend da und ärgert ſich, daß man nicht früher das Handwerk aufgegeben. Jetzt ſtehe ich noch hoch oben auf dem Piedeſtal, jetzt ſteige ich herunter und man beklagt meinen Schritt; in einigen Jahren, went ich erſt ſo und ſo oft in meinem Stolze verwundet worden ſein würde, würde man vielleicht ſagen: ſchade, daß ſie nicht früher aufgehört.

Mit collegialer Freimüthigkeit erwiderte Aegidius:

Sie mögen Recht haben.

Bah, machte aufmunternd die Sängerin, als ſie des jungen Mannes Ernſt gewahrte,laſſen Sie doch den Kopf nicht hängen, daß das Künſtlerleben ein ſo kurzes iſt; Sie wiſſen, daß die köſtlichſten Blumen am

0 7 ſchnellſten verblühen; eine Gänſeblume hält Monate lang aus, während der herrliche Cactus in einer Nacht verblüht. Wer möchte darum lieber Gänſeblume ſein, ſtatt Cactus?

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