Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wird es Ihnen ſo leicht, ſich in's Privatleben zurückzuziehen? fragte Aegidius.

Ich will Ihnen etwas ſagen, antwortete das Fräulein.Alle Schätze der Welt zuſammengenommen, könnten mich nicht bewegen, für immer darauf zu ver⸗ zichten zu ſingen. Ich werde noch als alte Frau ſingen, wenn ich keinen Ton mehr in der Kehle habe, das iſt mir ein unabwendbares Bedürfniß; ich ſänge und wenn das Schaffot Mäaniſtinde Etwas Anderes aber iſt's, wo man ſingt und lunmenlliche vor wem man ſingen muß. Sie ſind viel zu kurze Zeit erſt im Virtuoſenthum, um ſich darüber klar geworden zu ſein, ich aber treibe das Geſchäft ſchon manches, manches Jahr Sie werden's ja nicht ausplau⸗ dern und darum ſage ich Ihnen: was man von dem unübern windlichen Drang dir Rückkehr auf die Bühne oder auf's Podium fabelt iſt Lüge, Heuchelei, wenn nicht noch Schlimmeres.

Aber ich bitte Sie, die Erfahrung lehrt doch, daß Damen, welche ſchon Jahre lang in häuslicher Zurückgezogenheit gelebt hatten, plötzlich wieder zurück⸗ kehrten zur Ausübung ihrer Kunſt, weil ſie es eben anders nicht aushielten.

Lieber Freund, jugendlicher Schwärmer, ſprach die Sängerin und legte ihre Hand auf Aegidius Arm, laſſen Sie ſich nicht täuſchen, mit ſolchen Schritten hat die Kunſt nichts zu thun. Wenn eine Gräfin Roſſi wieder ſang, ſo that ſie es in der praktiſchen Erkenntniß, daß ſie ſich und ihrer Familie das Geld damit erwerben könne, das zu verdienen ihr Gemahl