Wirths ann ewefrie wären, war freilich
ihm allmählig in etwas ſonderbarem Lichte; dieſes Wiederſehen und Erkennen, dieſes Einhängen der Duun
in ſeinen Arm, was in Lindenheim doch nur bei er⸗
klärten Brautpaaren Sitte war, dieſe verdächtigen Reden von gemeinſamen Reiſen durch Europa und jahrelanger Compagnie— die Geſchichte war ſehr ge⸗ heimnißvoll, ſehr, ſehr!—
Die fremde Dame und Aegidius betraten das neben Aegidius' bisheriger Stube gelegene Zimmer, wo ſie der Poſthalter allein ließ.
„Der Burſch ſcheint ſich gehörig ausgewachſen zu haben in der Fremde,“ murmelte er vor ſich hin, als er die Treppe wieder hinabſtieg, um unten Auftrag
zum Ausräumen von Aegidius' Zimmer zu ertheilen. Worin das Unrecht von Aegidius eigentlich beſtanden hätte, wenn ſelbſt die kühnſten Combinationen des eine Frage, die ſich der Poſthalter nicht vorlegte. Sie wäre auch nicht leicht zu beantworten geweſen.— Angenommen, dieſes Zuſammentreffen von Aegidius mit der fremden Dame hier in Lindenheim wäre kein zufälliges, ſondern ein abſichtliches, verabredetes geweſen, was dun Wenn dieſe Beiden ein weitergehendes Intereſſe
einander hatten, was hätte das ſo unbetheiligte T Vrßſi wie den Poſthalter und alle übrigen Lindenheimer, zu kümmern gehabt? Ueberdem, warum ſollte Aegidius ſich nicht für eine Dame intereſſiren können, die, wie ſelbſt der böswilligſte Klätſcher nicht beſtreiten konnte, ſchön war und allem Anſchein nach in guten Verhält⸗ niſſen lebte? Daß ſie an Jahren dem jungen Mann
Reichner, Stürme im Waſſerglas. II. 3
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