kein merklicher Unterſchied zu ſpüren. Und als nun vollends gar auch noch dieſelbe Magd den Ankommen⸗ den um ſein Begehr fragte, glaubte Aegidius, daß er nur von einer kurzen Ferienreiſe zurückgekehrt ſei in das Haus, das ihm dereinſt Heimath geweſen. Frei⸗ lich— jünger war die alte Gertrud nicht geworden, ihre vormals grauen Haare waren jetzt weiß, ihr Mund jetzt völlig zahnlos und dem erſten Anſchein nach ihr ewig ſchlechter Humor womöglich noch ſchlechter ge⸗ worden. Aber ohne die griesgrämige, ewig und mit Allem unzufriedene(ſich ſelbſt nicht ausgenommen) Gertrud wäre das Benefiziatenhaus nicht mehr das⸗ ſelbe geblieben.
Mit einem unverſtändlichen Gebrumme deutete Ger⸗ trud mit einer in Sand eingetauchten naſſen Putzbürſte nach der der Treppe gegenüber liegenden Thüre. Das war ihre Antwort auf Aegidius' Frage nach dem Herrn des Hauſes.
Aegidius klopfte an. Aber— ſo ſehr er ſich auch zuſammennahm— ſein Herz klopfte doch lauter an ſeine Bruſtwandung, wie ſein Finger an die Zimmer⸗ thüre.
„Herein“, tönte es von drinnen. Aegidius öffnete und trat ein.
Der Herr Benefiziat Kölblich ſaß in einem leder⸗ beſchlagenen altmodiſchen Lehnſtuhl an ſeinem Schreib⸗ tiſch. Ein hageres, ſcharfgeſchnittenes Geſicht, ſelbſt⸗ verſtändlich glattraſirt, lebhafte graue Augen, hervor⸗ ſtehende Naſe und einen Mund, dem man's anſah,
daß er nicht die Gewohnheit hatte, ſich unzeitig zum
.


