Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Aegidius ſchlug das Buch auf, das ſchon ſeit einem Menſchenalter Dienſt machte, denn gar manche Woche verging, eheein Fremder in Lindenheim übernachtete, tauchte die roſtige Stahlfeder in's Tintenfaß und beſann ſich während deſſen, was er eigentlich eintragen ſolle.

Wenn ich jetzt nur das Geſicht ſehen könnte, das die Leute machen werden, wenn ſie jetzt enttäuſcht mein Nichts leſen, bedauerte er in ſich hinein und ſchrieb mit feſten Buchſtaben ein: Keller, Muſikant aus Lin⸗ denheim.

Die dumme Grete entfernte ſich erleichtert mit dem von Aegidius wieder zugeklappten Buche, aber nur bis über die Thürſchwelle. Auf dem Hausgang blieb ſie ſofort ſtehen und Aegidius hörte deutlich, wie ſie in dem Buche umblätterte, um nach dem Eintrag zu ſchauen.

Das iſt die Erſte, dachte Aegidius,die ſich in ihrer Façon denkt: viel Geſchrei und wenig Wolle, die Anderen werden nun raſch nachfolgen und wer weiß, ob mir nicht, wenn ich von meinem Ausgange wieder zurückkomme, der Poſthalter ein anderes Zim⸗ mer, hinten hinaus auf Brandmauer und Dachfirſte anweiſen wird, weil hier dieſes Prunkgemach nur für fremde Cichorienritter oder Zucker⸗ und Kaffeehelden, nicht aber für herumziehende einheimiſche Muſikanten beſtimmt ſei.

Aegidius machte einige, nicht ganz gelungene An⸗ ſtrengungen des vorgeſetzten Kaffee's Herr zu werden und begann dann ſeine Toilette. Die eigentlichen Be⸗ ſuchſtunden abzuwarten, um bei Herrn Benefiziat Kölb⸗ lich vorzuſprechen, fand er nicht für nöthig; er wußte, *