aus wie ſo ein„Herr“ Regiſtrator oder„Herr“ Schrei⸗
ber, wenn er nicht ſo gemäſtet wäre— anfange, der mir heute aus Feigheit heimlich und hinterrücks weiß Gott welchen Schabernack ſpielt und am Ende das
hübſche Mädchen noch compromittirt. Ich muß ſchon geſtehen, ich habe mich recht artig in meiner alten Heimath eingeführt. Am erſten Abend veranlaſſe ich gleich einen garſtigen Auftritt im Honoratiorenſtübchen, am zweiten krakehle ich mit irgend einer Lindenheimer Berühmtheit auf offenem Turnplatz wegen eines Mäd⸗ chens, das ich gar nicht kenne. Wenn das der ruhe⸗ liebende Benefiziat Kölblich erfährt, ſo muß er glau⸗ ben, ich ſei wahrhaftig das geworden, was er mir vor meinem Ausreißen prophezeit hat: ein Strolch.“
Aegidius ſprang aus dem Bette, ſich durch um: fängliche Anwendung von kaltem Waſſer die ſelbſt⸗ anſchuldigenden Gedanken wegzuſchwemmen.
„Aber hübſch war die Kleine doch,“ geſtand er ſich ſelber,„ſie hatte etwas ſo wirklich Natürliches, wie's
doch wohl nur mehr in ſolcher Einöde vorkommen kann, wohin der Pfiff einer Lokomotive und ein Ull⸗
mann'ſcher Concertzettel noch nie gedrungen.“ Vielleicht war dieſer letztere Gedankengang gerade der gefährlichſte für Aegidius. Er hatte ſo viel ſchöne Frauen und Mädchen geſehen und gar manches feurige oder auch begehrliche Augenpaar hatte ihm im Concert⸗ ſaal zugeblickt und wenn er ſelbſt auch manchmal dabei ein gewiſſes Herzpochen, das mit der Erregung ſeines Vortrages nichts zu ſchaffen gehabt, verſpürt hatte, ſo war er doch immer wieder allſobald ernüchtert geweſen, 4


