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Aber er, der in unſer Herz ſieht, er kennt Dein Geheimniß und er hat Dir zum Lohn für Deine Mühe die Liebe dieſes Kindes geſchenkt. Gott be⸗ wahre mich davor, ihren Frieden zu ſtören. Eins aber wünſche ich dennoch, nämlich daß Du mir die nähern Umſtände von Thekla's Geburt erzählteſt; denn Alles, was Du mir nach Deines Mannes Tod ſagteſt, beſchränkte ſich darauf, daß das Mädchen meines Bruders Kind ſei. Willſt Du dieſen meinen Wunſch erfüllen? n
„Gern,“ ſagte Nina,„und nachdem ſie ſich über⸗ zeugt hatte, daß Niemand im Geſellſchaftszimmer war, verſchloß ſie die Thüre und erzählte mit leiſer Stimme wie folgt:
„Du erinnerſt Dich vielleicht noch, daß eine Zeit lang eine Verwandte von mir, eine Couſine Eva Sandér in meinem Hauſe wohnte. Ein halbes Jahr vor meines Mannes Tod verließ ſie unſer Haus und kehrte, wie es hieß, zu ihrer Mutter zurück. Am Morgen deſſelben Tages, da mein Mann ſtarb, kam ein Brief an ihn an. Da er bereits mit dem Tode kämpfte und ohne Bewußtſein war, nahm die Magd den Brief in Empfang und legte ihn auf ſei⸗ nen Tiſch, ohne mir ein Wort davon zu ſagen. Drei Tage ſpäter, als mein Mann beerdigt war, ſah ich zufällig den Brief und erbrach ihn, gerieth aber in nicht geringe Beſtürzung, als ich ihn von Eva unter⸗ zeichnet fand und aus dem Inhalt erfuhr, daß ſie ſchon vor drei Tagen, alſo zu derſelben Zeit, da mein Mann geſtorben war, einer Tochter das Leben gegeben hatte, und daß ſie mit ihm ſprechen wollte. Der Brief war augenſcheinlich in exaltirter Gemüths⸗


