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„Kind, beruhige Dich und höre mich an,“ ſagte Gotthard, erſchreckt durch die Wirkung ſeiner Worte.
„Mich beruhigen!“ rief Thekla leidenſchaftlich; „mich beruhigen, wenn Sie ſagen: ‚Dieſe Frau, deren Kind zu ſein Du bisher ſo ſtolz geweſen biſt, iſt nicht Deine Muttere Dieſe Mutter, welche den größten Reichthum Deines Herzens ausmachte, darum weil ſie Dein war, ſie iſt es nicht.,—„Noth, Armuth, Krankheit— Alles, Alles könnte ich ertra⸗ gen; aber die Gewißheit, ihr Kind nicht zu ſein, wäre zu viel für mich. O! lügen Sie, erſinnen Sie irgend eine Unwahrheit, aber laſſen Sie mich in dem Glauben leben und ſterben, daß ſie meine Mutter iſt, daß ich ein Theil von ihr bin, und daß meine Seele von ihr ausgegangen iſt!“
Thekla ſank auf die Kniee, und heftiges Schluch⸗ zen erſtickte ihre Stimme. Mit Mühe vermochte ſie zu ſtammeln:—
„Reden Sie, reden Sie, um Gottes willen!“
„Hier bedarf es keines andern Zeugniſſes, als deſſen von Deinem eigenen Herzen,“ ſagte Nina, welche während der Worte Thekla's eingetreten war. „Stehe auf, mein Kind, betrachte mich und ſprich: bin ich Deine Mutter, oder bin ich es nicht?“
Nina hatte ihren Arm um die Tochter geſchlun⸗ gen und ſie aufgehoben.
Thekla drehte ſich zu ihrer Mutter um, faßte ihre beiden Hände und blieb ſo ſtehen, indem ſie ihr ins Geſicht ſchaute.*
Nach Verfluß einiger Minuten ſchlang ſie ihre Arme um Nina's Hals und rief:
„Du biſt meine Mutter. Nur ein Engel


