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Eines Nachmittags hatte Nina einige Geſchäfte zu beſorgen, welche ſie zwangen, ihn auf ein paar Stunden zu verlaſſen.
Elma mußte ausgehen, um eine Braut anzuklei⸗ den, und ſomit ſaß Thekla allein bei dem Kranken.
„Du liebſt Deine Mutter wohl ſehr?“ ſagte Gotthard zu dem jungen Mädchen, nachdem er mit derſelben eine Weile über ihr häusliches Leben ge⸗ ſprochen hatte.
„Mehr als ich mit Worten ausdrücken kann.“
„Du hegſt wohl daſſelbe Gefühl für ſie, als ob ſie Deine wirkliche Mutter wäre.“
Thekla fuhr zuſammen, begann aber ſogleich wie⸗ der zu lächeln und ſagte:
„Nun, das iſt ja natürlich, denn ſie iſt meine Mutter, welche mir das Leben geſchenkt und mich gelehrt hat, es zu meinem und Anderer Nutzen an⸗ zuwenden.
„Aber weißt Du nicht, daß—“
Gotthard ſtockte und blickte Thekla an, welche, als er nicht fortfuhr, mit bebender Stimme fragte:
„Was?“
„Hat Nina Dir niemals geſagt, daß Du nicht ihr Kind biſt?“ fragte Gotthard.
Kaum waren dieſe Worte über ſeine Lippen ge⸗ gangen, ſo ſtürzte Thekla auf ihn zu, faßte ihn am Arm und rief mit dem Ausdruck unbeſchreiblicher
Angſt:; 4 „Sie iſt nicht meine Mutter?— Ich bin nicht das Kind dieſer edeln Frau?— Ol das wäre ent⸗ ſetzlich, das wäre bitterer als der Tod!“


