17 Nina ſchloß Thekla mit einem Ausdruck der
wärmſten Mutterliebe an ihre Bruſt.
Eine Weile hernach entfernte ſich Thekla, und
Mutter und Sohn waren allein.
„Sie iſt wirklich bewundernswerth, meine kleine Thekla, in ihrer Anhänglichkeit,“ ſagte Nina und ſah ſich rings im Zimmer um.„Denke nur, welche unerhörte Mühe es das arme Kind gekoſtet hat, dieß Alles durch ihre Arbeit zu Stande zu bringen.
Von mir hat ſie dazu keinen Beitrag erhalten.
„Und Du weißt noch nicht einmal Alles,“ ent⸗
gegnete Eugen;„aber Du haſt ſo viele kummervolle
Stunden meinetwegen gehabt, und verdienſt alſo wohl die Genugthuung, zu erfahren, daß wenigſtens eines von Deinen Kindern Deiner würdig iſt.“ „Ihr ſeid beide meine lieben guten Kinder, denn eine Stimme in meinem Herzen ſagt mir, daß ein braver Mann aus Dir wird, wenn Du auch ein
unbedachtſamer Jüngling geweſen biſt.“
„Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß es keine größere Qual auf Erden gibt, als das Bewußtſein, mich Deiner Liebe und Achtung unwürdig gemacht zu haben. Ach, meine Mutter! Wenn Du in meinem Herzen leſen könnteſt, ſo würdeſt Du finden, wie ſehr
ich mich bei dem Gedanken an Alles, was Thekla
für ihren leichtſinnigen Bruder gethan hat, gede⸗ müthigt fühle.“ „Eugen,“ ſagte Nina in mildem Tone,„Du haſt
Dir ja in Bezug auf die kleinen Opfer, welche Thekla
r mit Ausſchmückung dieſes Zimmers gebracht hat,
Schwar, die Wittwe und ihre Kinder. II.


