Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 2. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Nichts vorzuwerfen. Damit hat ſie ja Dir nur eine frohe Ueberraſchung bereiten wollen.

Aber, Mama, dieſe Uhr, welche ſie einlöste,

nachdem ich ſie verpfändet hatte, um Geld zu... zu... ich ſchäme mich zu ſagen wozu, aufzutreiben, dieſe Uhr wird mich immer an die Augenblicke bit⸗ terer Demüthigung erinnern, welche ich jetzt durch⸗ lebe.

Haſt Du die Uhr verpfändet? fragte Nina

erbleichend.

Ja, dieſe Uhr, welche Du mir zum Andenken an meinen Vater gegeben. Deine Tochter, noch ein Kind, hat durch ihre Arbeit ſo viel geſammelt, um ſie einlöſen zu können, um mir die Demüthigung zu erſparen, meine elende Handlungsweiſe, mein voll⸗ kommenes Vergeſſen aller Achtung gegen Dich und meinen dahingegangenen Vater, das mich zur Be⸗ friedigung meiner unedeln Lüſte das Andenken an meine erſte Communion zu verpfänden antrieb, vor

Dir geſtehen zu müſſen. Thekla wollte nicht, daß 9

Du es erfahren ſollteſt; ſie wollte Dir den Schmerz

erſparen; aber ich wäre Deiner vollkommen unwerth,

wenn ich nicht meine Fehler und ihren Edelmuth

erkennen wollte. Ich danke Dir, Eugen, nun erkenne ich meinen

d

d d

Sohn wieder, ſprach Nina gerührt.Alle Fehler p werden durch Aufrichtigkeit und Reue geſühnt. l

Die Mutter drückte ihre Lippen auf die Stirne

des Sohnes, und er umſchloß ſie mit ſeinen Ar⸗ ſt men. Es war ein feierlicher, heiliger Augenblick für h er

beide.