Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 2. Band (1864)
Entstehung
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Freundin vom Lügen, darum erröthete ſie und ſetzte kurz hinzu:

Daß es kein großes Opfer war.

Jetzt redeſt Du nicht die Wahrheit, geliebtes Schweſterchen. O, ſprich, ſage mir, was Du doch weißt, daß Du mit Thränen und Küſſen Dich von den Bäumchen, welche mit Dir aufgewachſen ſind, getrennt haſt.

Thekla's Augen ſtanden voll Thränen, während ſie freundlich antwortete:

Es mag ſein, daß ich weinte, aber was hatte das zu bedeuten, gegen die Freude, welche ich bei dem Gedanken empfand, Dir eine Ueberraſchung be⸗ reiten zu können. Uebrigens habe ich von dem gro⸗ ßen Baume zwei Reiſer genommen, bereits geſteckt, und ſie werden Wurzel ſchlagen und mit der Zeit auch zu ein paar großen Bäumen werden. Laß uns nicht davon reden. Ich bin jetzt ſo glücklich, ſo glücklich! 3

Eugen war allzu gerührt, um nur ein einziges Wort hervorzubringen. Er ſchlang die Arme um ſie, und Thekla legte die ihrigen um ſeinen Hals. So ſaßen ſie eine Weile, bis Thekla ein paar Thrä⸗ nen auf ihrer Stirne fühlte. Sie ſah auf und be⸗ merkte, daß ihres Bruders Angeſicht feucht war.

Eugen, biſt Du mir böſe? fragte ſie unruhig.

Nein, Thekla, ich bin zu gleicher Zeit ſo glück⸗ lich und ſo unglücklich, daß das Herz mir die Bruſt zerſprengen will. Glücklich, mich ſo geliebt zu ſehen; unglücklich in dem Bewußtſein, es nicht zu verdie⸗ nen. Du weißt nicht, Du armes Kind, wozu jenes Geld, welches ich für die Uhr erhielt und deſſen