9
Das Geräuſch von dem Fuhrwerk und der Laut der Stimmen hatte auch Nina's Ohr erreicht, wäh⸗ rend ſie in ihrem Schlafzimmer an der Arbeit ſaß. Die Wangen lebhaft geröthet, trat ſie in ihr Wohn⸗ zimmer hinaus, gerade als Elma und Debora Eu⸗ gen, nachdem die letztere ihm ſeinen Ueberrock ab⸗ genommen hatte, im Triumph hereinführten.
„Eugen! Eugen, Tante!“ rief Elma mit freude⸗ ſtrahlendem Angeſicht.
Ehe Nina ein Wort der Ueberraſchung ausſpre⸗ chen konnte, fühlte ſie ſich feſt umſchlungen von ih⸗ rem Sohne, welcher mit einer Bewegung, die nur ihr verſtändlich war, flüſterte:
„So bin ich wieder unter dieſem geliebten Dache!“
„Und der Aufenthalt hier wird meinen Sohn wieder froh und glücklich machen, nicht wahr?“ flü⸗ ſterte Nina ſo leiſe, daß nur er es hörte.
Im nächſten Augenblick hatte Elma auch Olga und Thekla von Eugens Ankunft unterrichtet, und er fand ſich bald wieder von allen denen umgeben, welche er liebte und welche ihn wieder liebten, aber unter den Freuden des ſtürmiſchen Studentenlebens bei ihm faſt in Vergeſſenheit gerathen waren.
Als der Kaffee getrunken war und man von der erſten Freude ſich etwas erholt hatte, ſagte Thekla:
„Eugen, willſt Du nicht Deinen Mantelſack in Dein Zimmer hinauftragen laſſen?“
„Gewiß, Schweſterchen, das will ich; zudem muß ich nach der Reiſe mich auch ein wenig aufputzen, beſonders da ich im Sturm hier eingefuͤhrt worden bin, ohne daß ich auch nur meinen Bart ein wenig


