den an den Tagen, da Du des Klavierſpielens wegen
nach Warnäs kommſt. Iſt das nicht ſehr gefällig von ihm, mein kleines Mädchen?“
Thekla ſchwieg ſtill.
„Nun, Kind, Du ſagſt ja gar nichts? Freuſt Du Dich nicht über die Gelegenheit, die ſich Dir darbietet, Deine Kenntniſſe zu erweitern?“
„Ich thäte es wohl, wenn—“
„Nun, warum redeſt Du nicht aus?“
„Wenn es nicht der Kapitän wäre. Ich kann ihn nicht recht leiden,“ wiederholte Thekla, indem ſie net der Mutter ruhigem Blick die Augen nieder⸗
ug. Es lag etwas ganz Eigenthümliches in Thekla, das zur Folge hatte, daß ſie in allem ihrem Reden und Thun altklug erſchien. Ihr Körper war klein und unausgebildet, an Wuchs nicht größer, als der eines zwölfjährigen Kindes; das Angeſicht bleich und von kränklichem Ausſehen; aber die Augen hatten einen ſo denkenden Ausdruck, waren ſo klug und voll Verſtandes, daß ſie eine Tiefe der Seele, die weit über ihr Alter hinausging, verriethen. Dieß im Verein mit einem gewiſſen Stolz in ihren Be⸗ wegungen und der beſtändig nachdenklichen Haltung ihres Kopfes gab ihr, wie geſagt, etwas Altkluges, was zu der Zahl ihrer Jahre nicht paßte.
„Was haſt Du gegen ihn?“
Thekla ſchwieg. Aber Elma konnte ſich jetzt nicht länger halten und fiel ein:
„Das will ich ſagen. Thekla iſt der Meinung, liebe Tante, Du findeſt allzu viel Gefallen an dem Kapitän, und er desgleichen an Dir, und ich bin


