Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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133 2.

zu erkennen, was ich zu thun hatte. Haben Sie meinen Sohn geſehen?“

„Es iſt noch keine Stunde, daß ich mich von ihm trennte.“

„Und wie haben Sie ihn gefunden?“ fragte Nina— denn ſie war es— indem ſie ihre Hände an die Bruſt drückte, um den unruhigen Schlag des Herzens zu hemmen.

„Beruhigen Sie ſich um Gotteswillen, Madame. Ich kann Sie auf Ehre und Gewiſſen verſichern, daß ich mit Ihrem Sohne vollkommen zufrieden bin.“

Nina ſeufzte tief auf, und die Thränen, welche in ihren Augen zitterten, fielen nieder auf ihre Hände.

„Darf ich wagen, Ihnen zu glauben?“ ſtam⸗ melte ſie.„Aber wie ſoll ich dieſes Alles verſtehen? Sehen Sie hier, welche Nachrichten ich erhalten habe.“

Mit dieſen Worten reichte ſie ihm einen B ief.

Der Kapitän ſetzte ſich neben ſie auf den Sopha unn ſagte, während er den ihm dargebotenen Brief öffnete:.

„Ich verſichere Sie, daß Sie keinen Grund zur Unruhe mehr haben.“

„Ich fürchte, Sie wollen mich nur ſchonen. ejen Sie meines Schwagers Brief und Sie werden ehen.“

„Auf Koſten der Wahrheit, Madame, ſchone ich niemals, denn ich habe gefunden, daß aller Troſt, welcher zum Zweck hat, den wahren Sachverhalt zu verhehlen, ein elender und unwuͤrdiger Troſt iſt.“