Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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den Kopf erhoben, aber es lag kein Ausdruck von Stolz in der Art und Weiſe, wie er ihn trug, ſon⸗ dern etwas Edles und Entſchloſſenes.

„Du irrſt Dich,“ ſprach er,„der Sohn der Wittwe machte ihr keine Ehre, denn dieſer Sohn bin— ich!“

„Du!“ riefen die Kameraden.

„Ja, ich— der mit leichtſinnigen Vergnügungen, Ausſchweifungen und lärmenden Trinkgelagen alles, was jene Mutter unter Nachtwachen und Mühen erſpart hatte, verſchwendete;— ich, der mit eben dem Frevelmuthe wie ihr leben wollte, weil Eitel⸗ keit und Eigenliebe ihm nicht geſtatteten, offen ſich für einen armen Burſchen zu erklären. Dieſe elenden Beweggründe haben mich dahin gebracht, eine Mutter, welche ihr ganzes Leben für mich aufopferte, zu vergeſſen, und auf die undankbarſte Weiſe ihre Liebe zu lohnen. Kameraden, ich ver⸗ diene Eure Achtung nicht, und wir trinken darum nur auf die Geſundheit der Wittwe, und nicht auf die ihres Sohnes.“

Alle leerten ihre Gläſer. Die Geſundheit wurde ſchweigend getrunken.

Dann fuhr Eugen fort:

„Und nun, Kameraden, vernehmt das Gelübde, das ich mir ſelbſt thue. Ich ſchwöre auf Ehre und Gewiſſen, daß dieß das letzte Glas iſt, welches ich leere. Bis zu dem Tage, da ich mit Ehren meine akademiſche Laufbahn beſchloſſen habe, ſoll kein an⸗ derer Tropfen, als Waſſer, über meine Lippen kom⸗ men.“

„Brav geſprochen!“ rief man rings herum.