hatte aber noch immer die Augen draußen, bemerkte ſomit nicht, daß Jemand die Thüre öffnete und in das Zimmer trat.
Der Eintretende war ein hoch aufgeſchoſſener, ſchlanker Jüngling, mit einem Angeſicht, das in ſei⸗ nem lebhaften und friſchen Ausdruck ein Bild des lächelnden Frühlings war.
Die großen, klaren, lichtbraunen Augen funkelten von Lebensluſt, Geſundheit und Freude; der halb⸗ offene Mund, mit den perlweißen Zähnen, lächelte ſchalkhaft. Eine Maſſe dunkelbrauner Locken um⸗ gab eine Stirne, ſo hoch und ſo wolkenlos, daß es ſchien, als könne dieſelbe niemals von Sorge oder Kummer beſchattet werden.
Der Jüngling, welcher ſo unbemerkt eingetreten war, ſchlich ſich auf den Zehen zu Nina hin, wäh⸗ rend er mit einem Lächeln voll Glück und Liebe die⸗ ſelbe betrachtete. Als er hinter ihrem Stuhle ſich befand, legte er ihr beide Hände vor die Augen und rief mit verſtellter Stimme:
„Nach wem ſchauen Sie, meine Gnädige?“
„Eugen!“ rief Nina und drehte ſich um, indem ſie auf ſolche Weiſe ſich von ihres Sohnes Händen befreite.
Mutter und Sohn hielten einen Augenblick einan⸗ der umfaßt. Es war eine Umarmung, ſo voll von Wonne und Liebe, daß gewiß die Engel im Himmel auf dieſe Beiden, die ſich durch ihr gegenſeitiges Wiederſehen ſo beglückt fühlten, mit Freude her⸗ niederſchauten.
Endlich machte ſich Nina aus ihres Sohnes Ar⸗ men los und betrachtete ihn mit einem Ausdruck,


