Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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21 berg gekauft und ihren Wohnſitz dorthin verlegt hatte,

war ihres Mannes Schweſter, eine Wittwe Melbéen

gleichfalls mit Tod abgegangen. In ihrem Teſta⸗ ment hatte ſie verordnet, daß ihre beiden kleinen Mädchen bei Nina in die Koſt gegeben werden und unter deren Pflege verbleiben ſollten, ſo lang als dieſe ſelbſt am Leben, oder die Mädchen unverhei⸗ rathet wären. 3

Dieß war für Nina in ihren beſchränkten Um⸗ ſtänden eine große Hülfe, und wenn ihr daraus auch eine größere Verantwortlichkeit und mehr Ar⸗ beit und Mühe erwuchs, ſo fühlte ſie ſich für dieſe Zugabe zu ihrem Einkommen der Vorſehung zur Dankbarkeit verpflichtet.

Unter unaufhörlicher Thätigkeit war die Zeit ſchnell vergangen. Nina's Sohn war jetzt neunzehn, ihre Tochter dreizehn Jahre alt, und ihre Pflegekin⸗ der waren zu ein paar blühenden Jungfrauen heran⸗ gewachſen.

Nach dieſer kurzen Erläuterung kehren wir zu der noch jungen Wittwe zurück; denn für eine Wittwe ſind ſechsunddreißig Jahre kein hohes Alter, ganz anders als bei Frauenperſonen, die noch in ledigem Stande leben.

Nina hatte das Fenſter geöffnet und ſtand vor demſelben, den Blick auf die Landſtraße geheftet und aufmerkſam auf jedes Geräuſch horchend, das ſich aus der Ferne vernehmen ließ. Aber wiewohl ein Wagen nach dem andern zur Kirche fuhr, kam der noch nicht zum Vorſchein, nach welchem ſie mit geſpannter Erwartung ſpähte..

Müde vom Stehen, ſetzte ſie ſich endlich nieder,