„Die Vergangenheit kann nicht getilgt werden, aber unſere Pflicht iſt es, erlittenes Unrecht zu ver⸗ geſſen. Ich habe vergeſſen und vergeben; ſollte es wohl Dir, einem Mann, an der Kraft und dem Willen gebrechen, Deinen Kummer zu bekämpfen, wenn ein ſchwaches Weib, wie ich, es gethan hat? Willſt Du, der ſo manche Pflichten zu erfüllen hat, Dich kleinmüthigen Klagen überlaſſen?— Soll das Vergangene, das ſich nicht ändern läßt, mich eines Freundes berauben?
Gotthard faßte ihre Hand und drückte ſie mit Rührung an ſeine Lippen.
„Du biſt ein Engel, Nina, und ich bin ein— elender Schwächling; aber Du ſollſt mich nicht mehr als ſolchen ſehen. Die erſten Eindrücke waren ſo ſtark, führten mich ſo plötzlich in die Zeit, die einſt geweſen, zurück— aber fort mit dieſen Erinne⸗ rungen! Laß mir den geringen Troſt, daß ich als Freund Dir von Nutzen ſein kann. Laß uns darum wieder auf die Gegenwart und auf die Lage zurück⸗ kommen, in welche er Dich durch ſeinen Tod ver⸗ ſetzt hat.“
„Mich und mein Kind— meine Kinder, ſollte ich ſagen,“ fiel Nina ein.
Gotthards Miene umwölkte ſich.
„Wenn alle Schulden bezahlt ſind, bleiben von Ulrici's ganzem Vermögen nach der von dem Bürger⸗ meiſter gemachten Berechnung noch ſechs bis ſieben⸗ tauſend Reichsthaler übrig. Darunter ſind alle Gegenſtände, ſelbſt die Möbel begriffen, und dieſes kleine Kapital iſt Alles, was ich mit meinen Kindern für die Zukunft beſitze. Nun, beſter Gotthard, han⸗


