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darfſt Du, ſein Bruder, nicht darf ich, ſeine Wittwe, ihn ſo ſtreng beurtheilen.“.
„Nein, wir beide, Du und ich, haben insbeſon⸗ dere Grund, ſchonend mit ihm zu verfahren,“ rief Gotthard bitter, indem er aufſtand und im Zimmer auf und abging.„Wir, die er ſo glücklich gemacht hat, wir haben ja allen Grund von der Welt, zu verſichern, daß er ein edler Menſch geweſen. Nina, Nina, was hat er uns nicht geraubt? Nenne mir eine einzige Tugend von dieſem Mann, welcher ſieben Jahre lang das Leben zu einer Hölle für Dich gemacht hat. Sage mir eine einzige gute Eigenſchaft von dieſem Bruder, gegen welchen ich noch im Grabe einen unverſöhnlichen Groll em⸗ pfinde.“*
„Wenn Du in dieſem heftigen und aufgeregten Ton fortfährſt und in Deiner Erinnerung unaufhör⸗ lich die Vergangenheit zurückrufſt, ſo muß ich, mein Lieber, bedauern, daß ich, nach einer Trennung von ſieben Jahren, Dich als Verwandten und Freund gebeten habe, mich zu beſuchen,“ ſagte Nina ſorgen⸗ voll, aber mit Milde.„Und doch, wie ſehr bedarf ich jetzt eines Freundes und einer Stütze!“
„Ach Nina, vergib mir meine aufgeregten Ge⸗ fühle. Vergib, daß das Verfloſſene mit allen ſeinen bittern Erinnerungen mich beſtürmt und mein Inneres in Aufruhr ſetzt. O daß ich dieſe Vergangenheit vergeſſen und aus meiner Seele tilgen könnte!— aber ich vermag es nicht.“
Gotthard warf ſich wieder in die Ecke des Sopha's. Eine weiße, kleine Hand legte ſich auf ſeine Schulter, und eine ſanfte Stimme flüſterte:


