choliſchen und ſeelenvollen Ausdruck und verliehen dem ovalen Antlitz mit der hohen Stirn einen in⸗ telligenten und zugleich milden Ausdruck. Man las in dieſen Zügen, daß der Geiſt, welcher in der irdi⸗ ſchen Hülle wohnte, ſtarker und reicher Natur war.
Die blendende Hautfarbe, das üppige, dunkle Haar, der ſchöne Wuchs— Alles hatte dazu bei⸗ getragen, ihr das Prädikat der Schönheit zu ver⸗ leihen, und machte ſie in der kleinen Stadt Weſter⸗ köping zu einem Gegenſtand der Bewunderung für die Männer, des Neides für die Frauen.
Sie war jetzt in tiefe Trauer gekleidet, welche ihrer ſonſt friſchen Farbe Abbruch that und auf die Roſen der Wangen einen bleichen Schatten warf.
Die junge Wittwe ſaß in dem obenerwähnten Kabinet, in eine Ecke des Sopha's zurückgelehnt, die andere hatte der vorbemerkte junge Mann ein⸗ genommen. Auch er war ſchwarz gekleidet.
„Nun, Gotthard, habe ich Dir Alles auseinan⸗ dergeſetzt, was dieſe Angelegenheit betrifft. Sage mir aufrichtig: habe ich recht gehandelt?“
Dieſe Worte waren von Nina an ihren Schwa⸗ ger, Gotthard Ulrici, gerichtet.
„Recht, Nina, das wäre viel zu wenig geſagt. Du haſt hochherzig gehandelt. Ich kann Dich nur bewundern und mich ſelbſt fragen: war er es wohl werth, daß Du ſolche Nachſicht mit ſeinen Schwach⸗ heiten hatteſt, daß Du ſo gewiſſenhaft die allge⸗ meine Achtung ſeinem Andenken zu bewahren ſuch⸗ teſt, dieſem Mann ohne Herz und ohne—“
„Schweige, Gotthard, und bedenke, daß die Feh⸗ ler des Todten mit ihm gleichfalls todt ſind. Nicht
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