Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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O, das iſt mir ſchon bekannt, auch weiß ich, was ſie von Perſon iſt, verſicherte die Bürger⸗ meiſterin;und eben darum ſcheint mir, daß alle die Lobeserhebungen, womit die Herren ſie über⸗ häufen, unziemlich ſind, da ſie allen Grund von der Welt hätte, Gott dafür zu danken, daß der Kapitän Ulrici ſie zur Frau nahm. Ich möchte nur wiſſen, was ohne denſelben aus ihr geworden wäre! Im

höchſten Grad unſchicklich iſt es von Männern, welche

mit ihren Frauen Vermögen bekommen haben, von denſelben zu verlangen, ſie ſollen ihnen gegenüber ebenſo unterwürfig ſein, wie eine Perſon, welche nicht einen Schilling in's Haus mitgebracht hat.

Ja, im höchſten Grade unbillig, riefen die Frauen im Chor, denn ſie hatten alle eine ſchöne Mitgift in die Ehe gebracht.

Aber, meine Liebe, von was für einem Men⸗ ſchenſchlag iſt ſie denn eigentlich? fragte die Doc⸗ torin.

Ihre Mutter hatte eine Schule oben in Fal⸗ köping und war die Wittwe eines kleinen Zoll⸗ beamten, welcher ſie und ihre Tochter in großer Armuth hinterließ. Sie gewann ihren Lebensunter⸗ halt von der Schule; das reichte aber nicht weiter, als von der Hand in den Mund, wie man zu ſagen pflegt. Der Kapitän, welcher Verwandte in Fal⸗ köping hatte, machte einen Beſuch daſelbſt, ſah das Mädchen, verliebte ſich in ſie und führte Mamſell Nina Ahlſtröm als ſeine Frau heim. Nach meiner Anſicht konnte ſie niemals für ein ſo unverdientes Glück dankbar genug ſein, und ich vermag nicht zu begreifen, warum man ihre Demuth preiſen ſoll.