Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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das Nina Ulrici gegen Bezahlung für ihr eigenes ausgibt, nahm die Bürgermeiſterin wieder das Wort.

Aber das wäre ja ein ſchändlicher Betrug, rief die Stadträthin,wenn man auf ſolche Weiſe die Menſchen irre leiten wollte, und das Gericht ſollte ſich in die Sache legen und

Ja, da magſt Du zuſehen, unterbrach ſie die Doctorin kopfnickend.Dieſe Nina Ulrici hat alle unſere Männer ſo in der Hand, daß dieſelben Alles thun, was ſie will. Gott behüte, es heißt: ‚Sie iſt ſo unglücklich geweſen; ſie iſt ein wahrer Engel u. ſ. w.Ich meines Theils habe ſie nie⸗ mals leiden können, und halte ſie für ein liſtiges Weibsſtück, eine tüchtige Ränkeſchmiedin, welche die Rolle der Demüthigen ſpielt, um alle Herren auf ihre Seite zu bringen. Auch iſt ja der Bürger⸗ meiſter, der Stadtrath H., der Paſtor und mein eigener Mann alsbald vereint geweſen, das kleine Mädchen für deren Kind auszugeben; der Tauf⸗ ſchein und Alles bezeugt, daß es drei Wochen nach des Kapitäns Tod geboren worden iſt.

Es iſt empörend, denken zu müſſen, daß ein ſchönes Geſicht die Männer dazu verleiten kann, mit einer ſolchen Abenteurerin gemeinſame Sache zu machen, ſeufzte die Paſtorin.

Du kannſt wohl ſagen, eine Abenteurerin, fiel die Stadträthin ein,denn Niemand kann mit Be⸗ ſtimmtheit ſagen, woher ſie eigentlich kommt, oder was ſie geweſen iſt, ehe ſie den verſtorbenen Kapi⸗ tän dahin zu bringen wußte, ihr ſeine Hand zu reichen.