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Als die Thüre ſich nach ihm geſchloſſen, warf Sorenza, außer Stande, ſich länger aufrecht zu er⸗ halten, ſich auf die Kniee. Sie murmelte mit einem Ausdruck zerfleiſchenden Schmerzes vor ſich hin:
— O, Jeſus Chriſtus! Wie unglücklich und ver⸗ laſſen bin ich nicht.
— Sie ſind nicht verlaſſen, Sie beſitzen einen Freund, welcher an Ihnen Vaterſtelle vertreten wird, wenn Sie ſich ihm anvertrauen wollen.
Sorenza hatte nicht darauf Acht gegeben, daß ſie nicht allein ſei. Bei dieſer Anrede fuhr ſie zu⸗ ſammen und blickte auf. Der Werkbeſitzer Sturm ſtand vor ihr mit einem ſo milden und theil⸗ nehmenden Ausdruck in ſeinen lebhaften Augen, daß
das junge Mädchen beim Anblick davon etwas em⸗ pfand, das einem Strahle von Hoffnung glich; be⸗ ſonders weil dieſer Mann mit ſeinen hellgrauen Locken nicht gut irgend ein Beſorgniß bei einem jun⸗ gen unerfahrenen Mädchen erwecken konnte.
— Sie ſind,— ſagte der Werkbeſitzer ge⸗ rührt,— ohne Namen, ohne Verwandte, ohne Freunde, ohne Schutz und ohne Heimath. Laſſen Sie mich zuerſt Ihnen das Letztere bei meiner Schweſter anbieten, die weit von hier wohnt, und ich verſpreche Ihnen bei Ehre und Gewiſſen, daß gis nachher Alles erhalten ſollen, was Ihnen jetzt ehlt.
Sorenza ſprang auf und ergriff eine der Hände des Werkbeſitzers mit den Worten:
— O, führen Sie mich weit, weit weg von die⸗ ſen Menſchen und ich werde Ihnen mein ganzes Le⸗


