Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 1. Band (1863)
Entstehung
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einen Augenblick fuhr ſie bei dem Gedanken daran

zuſammen; denn im nächſten war ihre natürliche

Widerſtandsluſt erwacht. Sie heftete mit Stolz ihren lick auf Jenny und ſagte:

Ich erwarte, was die Gräfin ſelbſt oder durch das Fräulein zu ſagen hat.

Die Gräfin trat auf ſie zu. Das Geſicht der edlen Dame war bleich und kränklich; aber man konnte ſehen, daß die Trauer über den Verluſt des Mannes ihr Herz mehr erbittert als gebeugt hatte. Er war geſtorben, ohne daß ſie ſagen konnte, wäh⸗ rend ihres langen Zuſammenlebens auch nur einen Tag ſeine Liebe beſeſſen zu haben.

An Sorenza's Mutter dagegen hatte er alle die

Schätze verſchwendet, welche er ſeiner Gattin geraubt. r letzte Name, den er während ſeines letzten To⸗ deskampfes ausgeſprochen, war Amalia geweſen. An dieſem Weibe hingen alſo noch ſeine Gedanken ſelbſt im Tode. Dieſes war etwas, was die Gräfin nie der Tochter Amalias verzeihen konnte.

Als die Gräfin gerade vor Sorenza ſtand, ſagte ſie mit aufgeregter Stimme:

Ich hätte gewünſcht, mir und Ihnen dieſes Zuſammentreffen zu erſparen, weil zwei Perſonen die einander haſſen, ſich nicht begegnen ſollten, wenn

ſie es vermeiden können. Aber da ich von früher

weiß, welche Intriguen Sie immer angewandt haben, um ſich bei meinen Kinder einzuniſten, ſo hielt ich

mich für gezwungen, mich davon zu vergewiſſern,

wie mein Sohn meinen Auftrag erfüllte. Seine Schwäche, meinen Willen nicht ausſprechen zu wollen, bewies am Beſten, daß meine Beſorgniſſe