Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 1. Band (1863)
Entstehung
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hält, iſt mir gleichgültig. Ich will keinen ökonomi⸗ ſchen Vortheil von einer Familie entgegennehmen, welche nicht die meinige iſt. Es ware ein Gna- dengeſchenk, und mit ſolchen iſt es jetzt zu Ende, nachdem der Graf geſtorben iſt.

Haben Sie zufälligerweiſe irgend eine Erb⸗ ſchaft gemacht, welche Sie ſorgenfrei macht?

Ja, eine, nämlich den Stolz jener Perſon, wegen deren Tod Sie das Recht haben, Trauerklei⸗ der zu tragen, über die ich aber nur mit dem Her⸗ zen trauern darf.

Sorenza, Ihr Hochmuth verblendet Sie, ſagte Ernfried faſt verblüfft. Er ergriff Ihre Hand und fügte hinzu:

Du biſt ſehr krank geweſen, komm und ſetze Dich. Mit einer kalten Bewegung zog ſie ihre Hand zurück.

Erſparen Sie mir die Demüthigung Ihres V

Mitleids, Graf Eldon; ich bedarf deſſelben nicht und habe es nie geſucht. Laſſen Sie uns zu dem übergehen, was Sie mir zu ſagen haben.

Was ich zu ſagen habe, wird Dich betrüben. Ernfried, der ſonſt hartherzige Jüngling, fühlte einen gewiſſen Grad von Mitleid mit Sorenza. Es 4 fehlte ihm an Muth, ihr die Worte der Mutter zu

wiederholen.

Möglich, antwortete Sorenza. Das bleibt indeſſen etwas, das zwiſchen mir und Gott ſteht. Welchen Gruß ſendet mir die Gräfin Eldon. Gewiß einen, welcher von der Theilnahme für die verlaſſene Tochter des Todten zeugt.