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Einige Tage darauf erhielt Sorenza einen Brief, welcher Ernfried unterzeichnet war, und in welchem er ſie aufforderte, ſich um zehn Uhr Vormittags im Atelier einzufinden, weil er ihr etwas Wichtiges mitzutheilen habe.
Der Bote, welcher den Brief hinausbrachte, hatte einen Wagen bei ſich, ſo daß Sorenza, obgleich matt und ſchwach, ſich ſofort nach der Stadt begab.
Im Atelier begegnete ſie Ernfried, welcher ſie ſtolz und kalt begrüßte. Sorenza war ſchwarz ge⸗ kleidet. Es war ihr unmöglich geweſen, hellfarbige Kleider anzuziehen.
— Hat Mamſell Bencke Trauer bekommen?— war das Erſte, was Eldon ſagte.
— Ja
Sorenza trug ihren Kopf hoch.
— Wer von Ihrer Verwandtſchaft iſt ge⸗ ſtorben?
— Eine Perſon, welche meinem Herzen nahe ſtand, obgleich wir vor der Welt einander fremd waren. Es war wohl nicht, um dieſe Frage zu thun, daß der Graf mich hat rufen laſſen?
— Nein, es war, um Ihnen den Willen meiner Mutter in Beziehung auf Sie mitzutheilen. Selbſt wünſcht ſie es überhoben zu ſein, Sie zu ſehen. Außerdem lag es mir, als dem Haupterben meines Vaters, ob, Ihnen eine Abſchrift des Teſtaments zu überreichen..
Ernfried reichte Sorenza ein zuſammengelegtes Papier. Sie ſchob es von ſich und ſagte mit Stolz:
— Sie haben mir nur den Willen der Gräfin Eldon mitzutheilen; denn was das Teſtament ent⸗


