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Der Major ſuchte durch Vernunftgründe und Bitten Sorenza dazu zu bewegen, von ihrer Phan⸗ taſie, wie er ihren Entſchluß nannte, abzuſtehen; aber vergebens. Sie blieb bei ihrem Vorſatz, und als er ſah, daß nichts half, ſo mußte er verſprechen, ſich ſchon am folgenden Tage nach einem Platz für ſie zu erkundigen.
Abends theilte der Major der Majorin Sorenza's Vorſätze mit. Ida bemerkte nur:
— Deſto beſſer.
Am folgenden Morgen erhielt Ida ein kleines Billet untenſtehenden Inhalts:
— Bis Dein Mann mir eine Wohnung ver⸗ ſchafft, muß ich bedauerlicher Weiſe in der Deini⸗ gen bleiben; ich bitte Dich aber, während dieſer Zeit mir ſowohl als Dir ein Zuſammentreffen zu erſparen. Ich werde mein Zimmer nicht verlaſſen.
Du hatteſt geſtern meine Ehre, meine Recht⸗ fertigung und mein Glück in Deinen Händen, und Du beſaßeſt kein Wort zu meinen Gunſten. Möge Gott es Dir verzeihen! In dieſem Augenblick iſt es mir unmöglich es zu thun.
Sorenza.
Ida empfand Etwas gleich Reue wegen ihrer Handlungsweiſe, aber nur für einen Augenblick; denn der Neid und die Eiferſucht beherrſchten ſie dergeſtalt, daß ſie ſich lieber, was es auch geweſen wäre, unterworfen hätte, als mit einem Worte So⸗ renza's und Porry's Verbindung zu befördern.


