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Alles war, ihr während der langen Leidenszeit nicht einen einzigen Gruß geſandt.
Die Krankheit hatte auf eine unvortheilhafte Weiſe auf Sorenza's Seelenzuſtand eingewirkt. Sie war nach derſelben in eine ſtille Schwermuth verſunken, die ſie nie in Worte kleidete, die aber gleich einer nächtlich ſchwarzen Wolke über ihrem jungen Gemüthe ruhte. Unaufhörlich klangen die lezten Worte ihres Vaters in ihrer Erinnerung:„Ich verlaſſe Dich, aber wir ſind getrennt.“
Ja, ſie waren jezt für ewig getrennt.
Eines ſchönen Tages, Ende Auguſt, hatte der Doctor ihr Erlaubniß gegeben, ein wenig friſche Luft einzuathmen.
Gleich Nachmittags trug der Major, welcher So⸗ renza mit beſonderer Güte behandelte, ſie ſelbſt hin⸗ aus auf die Veranda. Nachdem er ihr Erlaubniß gegeben, dort zu bleiben, bis er wieder kam, ent⸗ fernte er ſich.
Die Sonne ſchien ſo mild auf die Erde herab. Bleich und traurig, den matten Kopf auf die Hand geſtüzt, ruhte Sorenza auf dem Sopha und blickte die noch üppige Natur an. Ein paar Thränen ran⸗ nen über die abgezehrten Wangen und ſie richtete ihre troſtloſen Blicke auf ein Paar Tauben, welche unter Liebkoſungen auf der Treppe herumtrippelten. Dieſe beſaßen einander; ſie aber beſaß Niemanden, welcher ihre Wiederkehr zum Leben mit einem freund⸗ lichen Worte begrüßte.
In dieſen traurigen Betrachtungen wurde ſie ganz plötzlich durch eine Stimme geſtört, die die Fibern ihres Herzens zittern machte. Es war die


