Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 1. Band (1863)
Entstehung
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ſucht, um beurtheilen zu können, ob ſie auch mit Freundlichkeit und Unpartheilichkeit ein Kind würde behandeln können, das an den Fehltritten der Eltern unſchuldig war.

An Sorenza dachte ſie nicht, ſondern blos daran, wie dankbar der Graf ihr werden müßte.

Er ſeinerſeits dachte recht und gewiſſenhaft zu handeln, wenn er das Mädchen nach Hauſe nahm, ohne aber den ſchwachen Charakter und den beſchränk⸗ ten Verſtand ſeiner Frau in Betracht zu ziehen.

Hätte er das gethan, ſo würde er von vorn herein auch eingeſehen haben, daß die Gräfin durch die tägliche Berührung mit dieſer lebendigen Erin⸗ nerung an eine Liebe, welche ſie nie beſeſſen. unwill⸗ kürlich einen Groll gegen das Pfand derſelben faſſen würde. Auch bedachte der Graf nicht, daß Sorenza durch tägliches Zuſammenſein mit ſeinen geſetzlichen Kindern gezwungen werden würde, Parallelen zu ziehen, welche in dem Herzen des jungen Mädchens den Grund zur Bitterkeit und zu einem heimlichen Neide legen würde.

Sie würde ja als ein Fremdling an der Seite des Vaters und der Geſchwiſter zu ſtehen kommen, und was noch ſchlimmer war, als eine untergeordnete Perſon, die weder den Namen, noch das Herz des Vaters beſaß.

Bald genug ſollte der Graf ſeinen Mißgriff ein⸗ ſehen, obgleich zu ſpät, um im Stande zu ſein, den⸗ ſelben wieder gut zu machen.