Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 1. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

Die Veränderung war ſo in die Augen fallend, daß jeder, der den Grafen kannte, einſah, dieſelbe ſei dadurch hervorgebracht, daß ſeinen Gefühlen auf irgend eine Weiſe Gewalt angethan worden.

Er wurde ein harter Ehemann, ein gerechter, aber ſtolzer und unbeugſamer Hausherr, ein zärt⸗ licher und ernſter Vater. 5

Während der erſten Jahre ſeiner Ehe hatte man keine Helle in dem düſtern Schwermuth, welcher ſich am Hochzeitstage über ſeine Seele gelagert, je durch⸗ blicken geſehen. Aber nach Verlauf dieſer drei Jahre fing es an hell zu werden und man ſah oft Züge leidenſchaftlicher Lébhaftigkeit und Enthuſiasmus.

Dieſe Veränderung trat nach einem längeren Aufenthalt in Yſtad ein. Man fing an Verdacht

zu ſchöpfen, daß Yſtad irgend einen mächtigen Mag⸗

net berge, welcher den Grafen dorthin zog, denn er machte jede Woche von ſeinem Gute Roerbro Neeiiſen dahin.

Die Gräfin, welche ihren Mann liebte, war nicht blind gegen dieſe neue Unwandlung, welche mit ſei⸗ ner Stimmung vor ſich gegangen, und während ſie früher über ſeine Düſterkeit getrauert hatte, fing

ſie jetzt an über das Glück und die Freude zu grü⸗

beln, die aus dieſen Augen leuchteten, welche nie auf den ihrigen mit Liebe geruht.

Der Kummer wurde um ſo mächtiger, weil ſie wußte, daß ſie nicht diejenige ſei, die dieſe Verände

rung hervorgerufen.

Er war und blieb kalt und verſchloſſen in ſeinem 1

Benehmen gegen ſeine Gattin. Es gab alſo irgen

eine Andere, welche dieſe Ausdrücke eines ihm inne