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war ſte gekleidet, denn ſehen Sie, dann erſt weiß ich, wer es iſt.
— Sie hatte lange hellbraune Locken, einen kleinen, dunkelblauen Sammthut mit einem wei⸗ ßen Schleier.
— Das iſt die Tochter der Wittwe, merke ich,— ſagte die Alte mit geringſchätzender Miene.— Du lieber Gott, ich glaubte, daß es eine von den Mam⸗ ſellen N.— wäre, ſiehe, das ſind ganz andere Mäd⸗ chen.
— Wittwe, wer iſt denn die Wittwe?
— Madame Toll, was weiß ich. Sie hält Schule, Du lieber Gott, und das Mädchen iſt ihre Schweſter⸗ tochter, ſo heißt es.
Es iſt ja nichts mit ihnen, ſie ſind arm, weiß Gott, das Mädchen iſt aber prächtig genug gekleidet; obgleich Niemand daraus klug werden kann, woher ſie all ihren Putz bekommt. Die Alte hat nur eine kleine Penſion und verdient ihre Biſſen damit, daß ſie Kindern Unterricht im Leſen gibt. Hochmüthig ſind ſie obendrein, daß es eine Sünde und Schande iſt; aber man kriegt es wohl einmal heraus, woher das junge Ding ihren Staat hat, und dann wird es wohl mit dem Hochmuth bergab gehen, kann ich mir denken.
Arthur hatte genug gehört. Er ging, ohne der Alten die Hand zu drücken oder auch nur für die Aufklärung zu danken, die er erhalten, was die Alte höchſt ungünſtig gegen ihn ſowohl wie gegen das Mädchen ſtimmte.


