162 3
„Bedurfte es einer beſondern Urſache?“ fragte Dagmar lächelnd.„Ich glaube nicht.“
„Wenn ich auch deſſen nicht bedürfte, könnte ich doch wohl einen ſolchen haben.„Ich beabſichtige nämlich, Dir ein lang vermißtes Kleinod wieder zuzuſtellen.“
„David!“ rief Dagmar;„Du willſt doch nicht zurückgeben, was ich Dir einmal geſchenkt habe.“
„O nein, ich gebe nicht zurück, was ich erhalten. Hier handelt es ſich um etwas, das ich in Verwahrung habe.“
David reichte ihr das Etui, welches Olle von Dagmars Toi⸗ lettentiſch weggenommen hatte.
Sie empfing es mit vollkommen gleichgültiger Miene, indem ſie ſagte:
„Du haſt es von Olle erhalten; das hat er mir erſt kürzlich bekannt.“
„Ich glaubte, es würde jetzt einen höhern Werth für Dich haben, als damals, als Du es verloreſt.“
„Ach, mein Freund, es iſt ein Porträt von meiner Mutter Bruder. Deſſen Werth lag bloß darin, daß es mich an Arthur erinnerte. Willſt Du, ſo behalte es immerhin. Ich liebe dieſe Erinnerungen nicht mehr.“
Dagmar pflückte eine Penſée und reichte ſie David.
„Eine ſchöne Blume,“ ſagte ſie.
„Unleugbar.“.
„Warum nimmſt Du ſie nicht? Weißt Du, was ſie gleicht?“
„Dem Sammet.“
„O nein, ſie erinnert an ſchöne aber ernſte Gedanken, tiefe und heilige Gefühle. Du kannſt ſie ja in ein Knopfloch deines Rockes ſtecken.“
„Dagmar! Ich werde ſowohl ſie als das Etui aufbewahren, bis Du beides zurückbegehrſt.“
„Dann kannſt Du es für immer bewahren. Weißt Du, daß Majken und Papa etwas ſpäter im Sommer hieher kommen?“
„Majken hat mir davon geſchrieben.“
„Steht ihr in Korreſpondenz?“
„J.4


