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Freundin; aber von der Stunde an, da ich wußte, daß ſie nie⸗ mals mir ihre Liebe ſchenken würde, ging all mein Streben dahin, die Natur meiner Gefühle für ſie zu ändern und ſie zu dem zu machen, was ſie ſein ſollten: zu den Gefühlen eines Bruders gegenüber von ſeiner Schweſter.
„Entziehe der Liebe die Hoffnung und ſie ſtirbt hernach von ſelbſt ab. Die Hoffnung iſt für die Liebe ebenſo nothwendig, wie die Luft für den Menſchen.
„Lange zu beweinen, was man auf immer verloren hat, heißt auf unwürdige Weiſe ſeine Kräfte vergeuden. Die Welt, in welcher wir leben, iſt voll von Schätzen für die Förderung unſeres Glücks. Wir ſündigen gegen den Geber, wenn wir nicht neue aufſuchen, zum Erſatz für die, welche wir verloren haben.
„Ich bin glücklich genug geweſen, ein Mädchen zu finden, welche mich mit dem, was ich verloren habe, verſöhnt. An ihrer Seite hoffe ich das Glück aufblühen zu ſehen, welches mir von Dagmar verſagt worden iſt————————— 4
Zu wie vielen Betrachtungen gab dieſer Brief nicht Ver⸗ anlaſſung. Wie ſeltſam ſchienen nicht Schickſal und Ereigniſſe mit David geſpielt zu haben!
Georg hatte ſich über den Verluſt ſeiner Jugendliebe ge⸗ tröſtet. David hatte die ſeinige vergeſſen und mit des Mannes ſtärkern Gefühlen ſich an diejenige gefeſſelt, welche einmal das Ziel der wärmſten Wünſche ſeines Bruders geweſen war. Sie dagegen war für beide verloren.
David legte den Brief zuſammen und murmelte:
„Dagmar iſt niemals für Georg geweſen, was ſie für mich iſt; dann vermöchte er nicht, dieſelbe zu vergeſſen. Getrennt, wie wir ſind, für Zeit und Ewigkeit, weiß ich ich doch, daß mein Gefühl für ſie daſſelbe bleiben wird.“
Da klopfte es an die Thüre des Kabinets und Davids Diener trat mit einem Briefe ein.
„Von dem Oberſt!“*
David öffnete ſogleich das Billet und las folgende eilig niedergeworfene Zeilen:


