Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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„Du bekamſt dadurch etwas wirklich Ueberirdiſches und ſchieneſt zu Majkens Gatten geſchaffen. Mir beweiſen zu wollen, daß Du es nicht würdeſt, wäre ſo viel geweſen, als mir einen wahr⸗ haften Schmerz zuzufügen.

„Aus dieſen ſchönen und Dir ſchmeichelnden Vorſtellungen wurde ich von der Großmutter geweckt, welche eines Tags mir erzählte, daß meine Mutter geiſteskrank geweſen. Dieſe Eröffnung rief ein Chaos von Kummer und ſeltſamen Gedanken in mir hervor, und ich wurde von der Verwirrung in meinem Innern nicht eher befreit, als bis ich wieder in Haraldshof war. Da nahm ich meinen Roman bezüglich deiner und Majkens wieder auf, während ich mich an der Geſellſchaft von Georg erfreute.

„Deine plötzliche Entfernung von Haraldshof und Majkens ſtumme Betrübiß zerſtörten auf einmal meinen Roman und zwangen mich, Majken alle meine Zärtlichkeit zu widmen.

„Darauf folgte mein erſter Nachtmahlsgenuß und gab mir einen ernſten Gegenſtand zur Beſchäftigung.

„Gott und die Religion nahmen während dieſer Zeit meine Seele in Anſpruch.

„Des Lebens Ernſt, unſere Pflichten gegen den Höchſten und unſern Nebenmenſchen bekamen nun eine beſtimmte und feierliche Bedeutung. Ich verſtand nun, daß all mein Streben darauf hinzielen müßte, eine gute Chriſtin zu werden.

„Nach dieſem für mein Leben einflußreichen Zeitpunkt kam meines Vaters Heirath mit Majfken.

„Du wurdeſt nun für mich ein hochherziger Märtyrer, welcher vi mehr mit andern Sterblichen verglichen werden konnte oder

urfte.

„Als Du von meines Vaters Haupt die heimliche Gefahr abwandteſt, welche in dem anonymen Billet angedeutet war, feſſelteſt Du noch unauflöslicher meine Bewunderung und Dank⸗ barkeit an Dich.

„Wir wurden getrennt.

„Georg blieb fortwährend mein beſter Freund, und meine Anhänglichkeit an ihn wuchs von Tag zu Tag.

„Wir reisten auf den Kontinent.