Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
Einzelbild herunterladen

51

Mutter verſetzen würde, wenn er das Glück der Braut zerſtöre, von Allem, was nur dazu beitragen konnte, ihn umzuſtimmen.

„Ich erhielt eine Antwort, die unter dem Einfluß einer er⸗ regten Gemüthsſtimmung geſchrieben war.

„Er hatte ein Duell mit dem Bruder von Anais gehabt, welcher in einer größern Geſellſchaft Wilhelm den Rath ertheilt hatte, ſich von ſeiner Schweſter in gehörigem Abſtand zu halten, weil ein Marquis von Aveyron es nicht dulden könne, daß ein unbedeutender ſchwediſcher Edelmann ihr ſeine Huldigung aufzu⸗ dringen ſuche. Bei dieſer Beleidigung gerieth Wilhelm in Zorn, und das Duell war eine Folge davon. Die Herren färbten bei dieſer Veranlaſſung ihre Degen mit dem Blute von einander, und jeder bekam ſeine Ritze in die Haut, und die Affaire war damit zu Ende.

„Wilhelm ſchrieb, er würde unverzüglich Paris verlaſſen. Seine Abſicht war, das Bild von Anais aus ſeinem Herzen zu tilgen und ſein Leben Hildur zu widmen. Er wollte ihr Alles bekennen. Wenn ſie ihm ſeine Verirrung verzieh, ſollte nichts im Stande ſein, ihn von ihr abwendig zu machen. Seine und Anais' Liebe hatte keine Zukunft; das wußte er jetzt. Niemals würde der Marquis von Aveyron, ein Edelmann von altfranzö⸗ ſiſchem Geſchlecht und Katholik bis zur Bigotterie, geſtatten, daß ſeine Tochter ſich mit einem ketzeriſchen Edelmann, um von den Ahnen nichts zu ſagen, vermähle.

„Nach dieſem Brief hörte ich ein halbes Jahr lang nichts weiter von Wilhelm. Unſere Mutter war in Verzweiflung. Sie erhielt von ihm ebenſo wenig Nachricht. Sie ſchrieb einen Poſt⸗ tag nach dem andern an Wilhelm und die Dannekrona's, aber ohne eine Antwort zu erhalten. Endlich im Frühjahr kam der Baron mit ſeiner Tochter nach Schweden, jedoch ohne Wilhelm.

„Hildur hatte etwas über ein Jahr im Auslande zugebracht. Dieſe Zeit hatte ſie in einen Schatten von ſich ſelbſt verwandelt. Der erſte Blick genügte, mich darüber aufzuklären, daß der Tod der Bräutigam wäre, welcher ſie in ſeine Arme ſchließen würde.

„Sie grüßte uns von Wilhelm. Er hatte ſie nach Lübeck begleitet, aber auf ihr beharrliches Begehren unterlaſſen, ihnen