Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
Einzelbild herunterladen

Kinderjahren ihr Herz an ihn, ihre Hoffnungen und ihre Begriffe von Glück für die Zukunft.

„Sie hatte das fünfzehnte Jahr zurückgelegt, als Wilhelm in den Beſitz von Haraldshof gelangte.

„Ein halbes Jahr darauf machte er eine Tour ins Aus⸗ land, um ſich in der Welt umzuſehen.

„Er war fünf Monate fort und kam etwas verändert wieder.

„Die gleichmäßige Gemüthsart war verſchwunden. Durch rauſchende Vergnügungen oder übertriebene Fröhlichkeit ſuchte er augenſcheinlich irgend eine Erinnerung, welche ihn quälte, zu verjagen.

„Allzu unbekannt mit ſeinem eigenen Innern, vermochte er die Stärke ſeiner Leidenſchaften oder die Kraft ſeines Willens nicht zu beurtheilen, ſondern war überzeugt, daß er mit ſeinem Verſtand und ſeinem Ehrgefühl über ſeine Empfindungen und Handlungen beſtimmen könnte.

„Er drang auch jetzt darauf, daß Hildur und er die Ringe wechſeln ſollten. Der Baron ſträubte ſich anfangs dagegen, mußte aber nachgeben, und ſo wurden ſie verlobt.

„Wilhelms Bitte, die Heirath bald nachfolgen zu laſſen, traf dagegen auf eine beſtimmte Weigerung. Die Aerzte hatten er⸗ klärt, daß Hildur nicht allzu frühe in den Cheſtand treten dürfe und der Baron glaubte hierin ſich nach deren Willen richten zu müſſen.. „Ein Jahr verging.

„Wilhelm wurde allmälig wieder ſich ſelbſt gleich und ſchien mit jedem Tage ſich inniger an ſeine Auserkorene anzuſchließen. Sie lebte gleichzeitig nur für ihn und ihre Liebe.

„Im Frühjahr, nachdem ſie verlobt worden waren, unter⸗ nahm der Baron mit ſeiner Tochter eine Reiſe nach Italien. Wilhelm begleitete ſie. Ich machte daſſelbe Jahr im Sommer meinen erſten Ausflug in die Fremde; das Ziel derſelben war Paris, wo ich einige Zeit verweilte.

„Die Dannekrona's und Wilhelm waren in Neapel, wo ſie zufolge eines Briefes von dem letztern zu überwintern gedachten. Wilhelm freute ſich darauf, die kalte Jahreszeit unter einem mil⸗