Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
Einzelbild herunterladen

47

wahrſcheinlich Veranlaſſung zu der Vorliebe unſerer Mutter für ihn; ſie hatte in ihren beiden andern Kindern ein paar ſtolze und ſchwer zu behandelnde Naturen. Wilhelm lohnte ihre Zärt⸗ lichkeit mit der hingebendſten Sohnesliebe. In ſeinen jüngern Jahren ſtieg nicht einmal der Gedanke in ihm auf, ſich ſeiner Mutter Willen zu widerſetzen. Er war für ihn Geſetz, und es machte ſein Glück aus, denſelben zu erfüllen. Er war der ge⸗ horſamſte und liebenswürdigſte Sohn, den eine Mutter ſich nur wünſchen konnte. Ein paar Jahre, ehe er Haraldshof antrat, hatte meine Mutter ihm eine Gattin auserſehen.

„Das Mädchen, noch nicht konfirmirt, war in entferntem Grade mit uns verwandt und des reichen Freiherrn von Danne⸗ krona einzige Tochter.

„Der Baron war für Wilhelm eingenommen und ebenſo eifrig für die Partie wie unſere Mutter, und ſo wurde zwiſchen ihnen beſchloſſen, wenn Dannekrona's Tochter zwanzig Jahre alt wäre, ſollte Wilhelm ſie als ſeine Frau heimführen. Sie war erſt vierzehn, als dieſer Plan entworfen wurde.

„Hildur Dannekrona war ein ſchönes, einnehmendes Kind von feinem, zarkem Körperbau, einem empfindlichen und gefühlvollen Herzen. Sie war lieblich wie eine Frühlingsblume, aber empfind⸗ lich wie dieſe. Eine einzige ſcharfe Froſtnacht, und mit dem Leben der Blume iſt es aus.

„In ihr ſeine künftige Gattin zu ſehen, mußte einem jungen Mann, welcher ſelbſt erſt aus dem Jünglingsalter getreten iſt, ſehr angenehm erſcheinen, beſonders da ſie, gleich Wilhelm, noch nie eine auch nur flüchtige Neigung empfunden hatte.

„Nachdem man Hildur ihm zur Braut beſtimmt hatte, wurde Wilhelm ein täglicher Gaſt im Hauſe des Freiherrn, und er meinte nun ſelbſt, daß er ſie liebe.

„Hildur, welche in ihm den Mann ſah, den der Vater ihr beſtimmt hatte, glaubte nicht nur, daß ſie ihn innig liebe; Wil⸗ helm war ihr theuer, wie das Schönſte unter allen ihren Spiel⸗ ſachen, der beſte unter allen ihren Spielkameraden und der zärt⸗ lichſte von allen ihren Freunden. Hildur feſſelte ſchon in den