Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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„Sie ſind allzu gütig, Oheim,“ ſtammelte Broolind. War es wohl Scham, was dießmal ſeine Wangen röthete?

Es gibt kaum etwas, das ſchwerer zu ertragen iſt, als Edelmuth, der uns von denen erwieſen wird, denen wir ſelbſt Unrecht zugefügt haben. Auch höchſt ſelbſtſüchtige und eigennützige Menſchen fühlen die Demüthigung, welche darin liegt, und wür⸗ den vielleicht, wenn man ihnen die Wahl ließe, lieber einen Schlag ins Geſicht dafür hinnehmen.

Wir können auch verſichern, daß Broolinds Gemüthsſtimmung, als er von Eriksdal abreiste, nichts weniger als angenehm war. Er fühlte ſich gallſüchtig, und würde, wenn die Vorſicht es ge⸗ ſtattet hätte, ſich eine Kugel vor den Kopf geſchoſſen haben, um ſich die Geſellſchaft ſeines eigenen Ichs und die Erinnerung an alle die mehr oder minder ſchönen Handlungen, wozu ſein Eigen⸗ nutz ihn verleitet hatte, vom Halſe zu ſchaffen. Er ſuchte aller⸗ dings dieſelben durch das Verſchönerungsglas der Eigenliebe zu betrachten, aber heute wollte es nicht recht gelingen, aus ſchwarz weiß zu machen.

XII.

Es war am Abend, nachdem Broolind von Eriksdal abge⸗ reist war.

In der großen Laube finden wir die Familie Björnſtam, Frau Thorén und David.

Der Oberſt nahm das Wort:

„Der Zeitpunkt für eine nähere Aufklärung über die Familien⸗ verhältniſſe meines verſtorbenen Bruders dürfte jetzt da ſein. Ich kann nunmehr, ohne dem Andenken an Jemand zu nahe zu treten, auch Mittheilung darüber machen.

„Wilhelm, ſeiner Mutter und ſeiner Geſchwiſter Liebling, war von der Natur an Herz, Verſtand und äußern Vorzügen reich ansgeſtattet. Nimmt man hiezu, daß er angenehme Manieren hatte, ſo erſcheint es ſehr natürlich, daß er Jedermanns Günſtling werden mußte, beſonders da ſeine Gemüthsart in den Jünglings⸗ jahren lebensfriſch und gefällig war. Der letztere Umſtand gab