Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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Dagmar wurde zuerſt ſchneeweiß, dann glühend roth; her⸗ nach füllten ſich ihre Augen mit Thränen.

„Iſt es möglich? Iſt es wahr, Papa?“ ſtammelte ſie.

Arvid Broolind, welcher jetzt ſeiner Handlungsweiſe Herr geworden war, und ſich klar gemacht hatte, daß er nunmehr ohne Unterbrechung die Glorie ſtrenger RNechtlichkeit, welche er auf ſo unverdiente Art ſich angeeignet hatte, beibehalten müſſe, wandte ſich zu Dagmar mit den Worten:

8„Ich bin wirklich in die glückliche Lage verſetzt, dem Oheim ein wichtiges Dokument zu übergeben. Es iſt....“

Arvid heftete zufällig hiebei ſein Auge auf David; ſein Blut kam in heftige Wallung, und ſchon mit den erſten Worten brach er in dem ab, was er hatte ſagen wollen.

David ſtellte eben an Broolind im Stillen die Frage, ob er es nicht ſchicklich fünde, auf Dagmar einen Toaſt auszubringen. Broolind war nicht ſonderlich dankbar für dieſen Vorſchlag, fand es jedoch unmöglich, Nein zu ſagen. Er erhob ſomit ſeine Stimme, und ſprach in geſuchten und ſchwülſtigen Phraſen von dem Glück, das ihm beſcheert worden, einigermaßen auch ſeinerſeits dazu bei⸗ tragen zu können, daß Dagmar wieder in ihre Rechte eingeſetzt würde, und ſchloß mit der Erklärung, daß er beſtändig ſeiner liebenswürdigen Couſine ein getreuer Freund ſein würde. Man ſtieß mit den Gläſern an und ſtand hernach von der Tafel auf.

Dagmar wußte nicht genau, ob das, was ſich zugetra⸗ gen hatte, Traum oder Wirklichkeit wäre.

Majkens Angeſicht drückte wo möglich einen noch höheren Grad des Erſtaunens aus. Sie ſchien noch weniger als Dagmar zu begreifen, wie das Alles zuſammenhinge.

Arvid verabſchiedete ſich bald, nachdem man den Kaffee ge⸗ trunken hatte, und Majken hörte den Oberſt gegen ihn äußern:

„Wenn der neue Kontrakt aufgeſetzt worden iſt, werde ich denſelben Dir zur Unterſchrift zuſenden. Bei den Bedingungen, unter welchen ich Dir hinfort Haraldshof überlaſſe, kannſt Du mit Klugheit und Umſicht deinen Kindern ſchon ein kleines Ver⸗ mögen ſammeln, beſonders wenn ich lang lebe und Du inzwiſchen den Pacht behalten darfſt.“