Dagmar fand keine Zeit zur Antwort; der Oberſt und Broo⸗ lind traten ein.
Dagmar hatte ihren Vater den ganzen Tag nicht geſehen. Es kam ihr vor, als wäre er ſeit dem geſtrigen Abend um zehn Jahre jünger geworden. Seine Stirne war wolkenfrei, das Auge lebhaft, und um den ſtrengen Mund ſpielte ein heiteres Lächeln. Alle Sorgen, welche auf ſeine Seele gedrückt hatten, waren wie weggeblaſen. Frei und ohne alle bittern Erinnerungen ſchien er um ſich zu ſchauen. Er grüßte mit einigen ſcherzhaften Worten Dagmar und ſagte darauf, auf Arvid zeigend:
„Heiße deinen Couſin willkommen, Dagmar; er bringt gute Kunde für Dich und mich.“
„Wie lauten ſie?“ hätte Dagmar gern gefragt, aber ſie that es nicht, ſondern reichte Broolind, obwohl etwas widerſtrebend die Hand und fragte ſtammelnd, wie Mathilde ſich befinde.
Broolind ſah verlegen aus.
Majkens Eintritt und die Meldung:„es iſt aufgetragen,“ befreite Dagmar von der Nothwendigkeit, das Geſpräch mit dem verhaßten Couſin fortzuſetzen.
Der Oberſt und David waren ganz munter während des Mahles. Ihre Heiterkeit wirkte auch auf die allgemeine Stim⸗ mung. Sogar Broolind, welcher nicht ſonderlich vergnügt ſchien, ſuchte ein lächelndes Ausſehen anzunehmen, obwohl es Dagmar vorkam, als ob er ſich höchlich anſtrenge, um es dahin zu bringen.
Dagmar wurde die ganze Zeit von der lebhafteſten Neugierde gequält. Sie brannte vor Ungeduld, die Löſung des Räthſels zu erfahren.
Ein Räthſel war es, daß der Vater und David ſo froh und freundlich gegen Broolind waren.
3 Beim Deſſert beſtellte der Oberſt Champagner, und als die Gläſer gefüllt waren, erhob er ſich und brachte die Geſundheit ſeines Schweſterſohnes aus, während er ihm zugleich auf eine ſehr anerkennende Weiſe dafür dankte, daß er ihm, dem Oberſt, den Beweis dafür eingehändigt hätte, daß Dagmar ſeine geſetz⸗ liche Nachfolgerin in Haraldshof wäre.
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