Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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27 Nächſten etwas hat, das er verbergen will; und wäre derſelbe uns vorher noch ſo alltäglich vorgekommen, er erhält dadurch ſchnell ein gewiſſes Intereſſe für uns.

David hätte ein Jahrzehnt mit Dagmar zuſammenleben können, ohne derſelben irgend eine Aufmerkſamkeit zu widmen, oder ſich durch ſie beſtimmen laſſen, ſeine Gedanken von Majken abzulenken. Aber ſo ſprach nun Majken ihre Vermuthung aus, daß Dagmar einen heimlichen Kummer habe, und deutete auf ihre Furcht vor den Folgen davon hin. Jetzt konnte er unmög⸗ lich von Dagmar mit ſeinen Gedanken ablaſſen.

Er kam auch ſehr oft nach Eriksdal, verbrachte ganze Stun⸗ den daſelbſt in Geſellſchaft von Dagmar, ohne doch die Urſache, warum Georg einen Korb bekommen, oder den Gegenſtand, wor⸗ über ſie im Stillen nachgrübelte, ausfindig zu machen. Er nahm auch für ausgemacht an, er habe recht gerathen, wenn er voraus⸗ ſetzte, Dagmar leide nicht an einer krankhaften Melancholie, ſon⸗ dern werde nur von der Entdeckung geplagt, welche ſie in dem Alter von neun Jahren gemacht hätte. David vertiefte ſich in⸗ zwiſchen ſo ſehr in das Studium von Dagmars Anſichten, Ge⸗ müthsart und Charakter, daß dieſes Studium zuletzt alle ſeine Gedanken beſchäftigte, ſo oft ſein ärztlicher Beruf dieſelben nicht in Anſpruch nahm.

Er pflegte die Feiertage in Eriksdal zuzubringen. Eines Sonntags, als man ihn dort am Morgen erwartete, und Dag⸗ mar mit Beſtellung des Früſtücktiſches zu thun hatte, fuhr ein Wagen in dem Hofe vor.

„Kann David ſchon hier ſein?“ rief ſie und ſprang an das Fenſter. Sie erkannte allerdings Davids Droſchke; aber es war nicht David, welcher ausſtieg, es war Georg.

Dagmar erröthete. Sie eilte dem willkommenen Gaſte entgegen.

„Ach, Georg, das iſt ſchön!“ rief ſie;„aber was haſt Du aus deinem Bruder David gemacht?“ 3 3 „ Ja, Dagmar, Du ſiehſt, ich komme anſtatt Davids. Er iſt verhindert.“.

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