„Kummer und Schmerz erbleichen mit der Zeit. Georg wird vergeſſen, daß er mich zur Frau zu erhalten gewünſcht hat, und ſehr bald wird er in mir nur ſeine Schweſter ſehen.“
,„ Das geht nicht ſo leicht.“
„Aber es geht doch. Allein warum hievon reden? Georg hat Dich wohl nicht mit dem Verſuch beauftragt, meinen Ent⸗ ſchluß umzuſtoßen?“
„Er hat ja nicht einmal mit einem einzigen Wort ſeiner Bewerbung erwähnt.“
„Wer hat es Dir dann erzählt?“
„Weißt Du, Dagmar, daß ich mir dein Benehmen nicht er⸗ klären kann? Du liebſt Georg, aber weigerſt dich, ſeine Frau zu werden. Du haſt dich beſtimmt von irgend einer phantaſti⸗ ſchen Laune beſtimmen laſſen.“
Jetzt lächelte Dagmar. 4
„Meiner Launen ſind es gewiß viele und große, aber ich will nicht, daß Du glauben ſollſt, ich wolle zu deren Befriedigung mir ſelbſt ein Leiden ſchaffen. Ich habe einen gültigen Grund, Georgs Anerbieten auszuſchlagen.“
„Willſt Du mir dieſen nicht ſagen?“
„Nein!— Haſt Du unſere Unterredung vergeſſen von da⸗ mals, als Du mich aus der Köthnerhütte heim begleiteteſt?“ be⸗ gann Dagmar nach einer Pauſe wieder.
„Wie wäre das denkbar?“
„Sage mir, glaubſt Du, es laſſe ſich eine Möglichkeit finden, den Beweis zu liefern, daß mein Vater nicht aus Eigennutz ge⸗ handelt hat?“ 4
„Noch kann ich die Frage nicht beantworten, aber ich hoffe, hiezu in Kurzem im Stande zu ſein.“
Das Geſpräch ging nun auf einen gleichgültigen Gegen⸗ ſtand über.
VIII.
Alles Geheimnißvolle übt einen großen Einfluß auf uns Menſchen aus. Man darf nur argwöhnen, daß einer unſerer
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