—
——
——
24
„Sie hat nichts weiter darüber geäußert, als daß ſie eben nicht heirathen wolle.“
„Wie lang iſt das her?“
„Es geſchah erſt einige Wochen vor deiner Ankunft in der Gegend. Dagmar war ſelbſt faſt in Kummer aufgelöst, als ſie Georg dieſen Schmerz verurſachte, und es dauerte lang, ehe ſie ſich mit dem Gedanken daran verſöhnen konnte.“
„Und Georg, wie erträgt er ſein Schickſal?“
„So wie nur ein Waldner dergleichen Miſgeſchick erträgt,“ entgegnete Majken mit mildem Tone.
Es lag in dieſen Worten der größte Lohn, den David wünſchen konnte. Es wurde ihm auch warm um's Herz.
„Aber,“ nahm Majken wieder das Wort,„es wundert mich, daß Georg Dir nichts davon geſagt hat.“
„Ehe man mit, der Entſagung ſich vertraut gemacht hat,
weicht man dem Reden davon aus.“
Dagmar kam jetzt zurück, und bald hatte ſie durch ihre muntern Scherze alle die Schatten verjagt, welche dieſe Unter⸗ redung hervorgerufen hatte. Sie ſchwatzte, lachte und hatte tau⸗ ſend Kindereien zu erzählen. Wenn man ſie ſah und hörte, hätte man geglaubt, zu Majkens Worten über den heimlichen Kummer lächeln zu können.
David, welcher bisher für Niemand anders, als für Majken Sinn gehabt hatte, wurde genöthigt, Dagmar ſeine Aufmerkſam⸗ keit zu widmen. Majken war unruhig über Dagmar; folglich mußte David herauszubringen ſuchen, ob Majken Grund zu die⸗ ſer ihrer Unruhe hatte. Dadurch wurden ſeine Gedanken bis zu einem gewiſſen Grade von Majken abgezogen und Dagmar zu⸗ gewendet.
Auf dem Heimwege von Eriksdal war er ausſchließlich durch ſie in Anſpruch genommen, und obwohl er der Meinung war, die Urſache von Dagmars Grübeleien zu kennen, ſo tauchte doch die Vorſtellung von der Geiſteskrankheit ihrer Mutter wieder vor ihm auf und erinnerte ihn daran, was für ein trauriges Erbe ſie zu fürchten hatte. 3
David beſchloß öfters nach Eriksdal zu fahren, um Dagmar


