17
„Ich glaube, Du biſt nicht ſo munter, als Du ſcheinen willſt, und darum wünſchte ich mit Dir davon zu reden, was der Gegenſtand einer geheimen Sorge bei Dir oder bei allen iſt.“
„Ich verſtehe, Du meinſt Haraldshof.“
Dagmar wandte den Kopf ab.
„Ilt es Dir ſehr peinlich, darüber dich auszuſprechen?“ fragte David.
„Dir gegenüber nicht. Ich habe oft ſeit deiner Rückkehr ge⸗ wünſcht, Du möchteſt uns beſuchen, ſo daß ich mit Dir dieſes Thema berühren könnte; aber Du erſchienſt nicht, und ſo wurde nichts aus der Sache. Es kommt mir vor, als hätteſt Du früher eine Ahnung von dem gehabt, was nun eintreffen ſollte, und die Erinnerung an das Büllet, welches ich am Tage nach Papa's Hochzeit erhielt, hat mich in dieſer meiner Vermuthung beſtärkt. Ich habe oft daran gedacht, daß es auf Haraldshof Bezug hätte.“
„Du haſt wirklich Recht; ſchon damals waren große Intri⸗ guen in Bezug auf die Erbſchaftsverhältniſſe angezettelt,“ ſagte David,„aber nicht in der Richtung, welche ſie ſpäter nahmen.“
„Dann ſind ſie mir gleichgültig; ich bekümmere mich wenig um das Erbe; es iſt mir nur der Schatten, welcher an meines Vaters Ehre haftet, was mich quält. Alle die elenden Gerüchte, wozu die Großmutter durch ihre Unbeſonnenheit Anlaß gegeben hat, werden einmal wirkliche Wahrſcheinlichkeit erlangen. Sein Haar iſt ergraut, ſeine Stirne gefurcht, und ſein Geiſt unter der Bürde einer unverdienten Schmach, welche über ſein Haupt ge⸗ kommen, niedergedrückt. Che dieſe beſeitigt iſt, wird die Freude nicht wieder in unſere Familie zurücktehren.“
„Aber, Dagmar, es iſt nicht einmal denkbar, ihn davon befreien zu können. Es iſt erwieſen worden, daß Du älter biſt, als er angegeben hat.“
„Wahr, und doch hat er ſich keiner Betrügerei, zum Min⸗ deſten nicht in eigennütziger Abſicht ſchuldig gemacht.“
„Dann liegt alſo irgend ein Geheimniß darunter verborgen?“ fragte David.
„Ja.“
Schwartz, David Waldner. II.


