„SDas dürfte lang anſtehen,“ war die Antwort, welche David ihr im Stillen gab.
„Ich kann beſtimmt die Luft von Haraldshof nicht ertragen,“ fuhr Mathilde fort,„und darum habe ich die Tante gebeten, einige Tage hier bleiben zu dürfen, während Arvid in Brovik verweilt.“ 3
II.
Mathilde blieb eine ganze Woche in Aengsberga.
Am Abend des Tages, wo Arvid ſie heimzuholen verſprochen
hatte, ſaßen ſie und David im Hofe unter demſelben Baume, wo wir ſie zum erſten Mal gefunden haben. Ein Zeitraum von mehr als zehn Jahren lag zwiſchen jenem Abend und dem gegen⸗ wärtigen. „Du behaupteſt ſomit,“ ſagte Mathilde,„daß das Uebel, wovon ich heimgeſucht wurde, eine Folge von Seelenleiden iſt. Du haſt wirklich die Wahrheit geredet. Ich habe einen nagenden Kummer, und er iſt um ſo bitterer, da ich nicht wagte, ihn irgend Jemand anzuvertrauen.“
„Nicht einmal deinem Mann?“ fragte David.
„Ihm am allerwenigſten.“
Mathilde faßte Davids Arm, ſtützte ſich auf ihn und ſetzte mit leiſer Stimme hinzu:
„öEr iſt es, der mir dieſen Kummer geſchaffen hat. Ol daß Arvid niemals darauf ausgegangen wäre, Dagmars Geburtsjahr nachzuforſchen. Ich habe ſeitdem keine Ruhe mehr gehabt.“
„Und warum? Was Arvid gethan, würden die meiſten an ſeiner Stelle gleichfalls gethan haben, um der Möglichkeit willen, einmal in den Genuß der Vortheile des Reichthums zu gelangen.“
„Möglich, aber wie iſt Arvid dazu gekommen, Nachforſchungen
in Bezug auf Dagmars Geburtstag anzuſtellen?“ fragte Mathilde.
„Es ſteckt etwas dahinter, was nicht ſein ſollte. Ach, es kommt
mir vor, als ob irgend ein großes Unrecht begangen worden,
und daß ich deſſen theilhaftig wäre.“ 4 Mathilde brach in Thränen aus.
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