Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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5 mutter ein Gegenſtand der Bewunderung iſt, thut Alles, ihr gleichzukommen.

Wann biſt Du das letzte Mal zu Eriksdal geweſen? fragte David.

Vor ein paar Wochen.

Haſt Du Dagmar noch immer gleich lieb?

Ja, nicht mehr und nicht minder, lautete die Antwort.

Ein Wagen fuhr durch die Allee herauf.

Das iſt der Pächter von Haraldshof, äußerte Georg.

David ſprang auf und rief:

Empfängt ihn die Mutter?

Gewiß thut ſie das. Arvid iſt ja mit ihrer Schweſter⸗ tochter verheirathet. Ihm die Thüre verſchließen, hieße demnach eben ſo viel, als Mathilde abzuweiſen.

David verließ die Veranda und begab ſich in ſein Zimmer.

Eine halbe Stunde darauf fuhr der Lieutenant Broolind wieder fort.

Im Salon ſaßen Frau Waldner und Mathilde, als David eintrat.

Fünf Jahre lagen zwiſchen dieſer und Davids letzter Be⸗ gegnung mit der Couſine. Als er ſie damals ſah, war ſie eine ſchöne, neugierige und vergnügungsſüchtige junge Dame, mit ſcharfer Zunge und unfreundlichem ÜUrtheil. Sie hatte ſich damals ver⸗ ſchiedene von ihres Mannes minder vortheilhaften Eigenſchaften angeeignet, und David erwartete nun, ſie noch mehr in dieſer Richtung entwickelt zu finden. Aber er täuſchte ſich und war nahe daran, einen Ruf der Beſtürzung auszuſtoßen, als Mathilde ihr Angeſicht ihm zuwandte. Die in tiefen Höhlen liegenden Augen, die pergamentfarbigen Wangen und der matte Ausdruck in dem Blicke hatten nichts, was ihn an die frühere Mathilde erinnerte. David ſtarrte ſie an, als ob es ihm ſchwer fiele, an die Verwandlung zu glauben. Ueber Mathilde's Antlitz flog ein trauriges Lächeln.

Du erſchrickſt über mein verändertes Ausſehen, ſagte ſie. Ich bin ſehr krank geweſen, aber nun geht es beſſer, und ich hoffe recht bald wieder zu werden, was ich geweſen bin.