mich gewinnen, mit meinem Sohn zuſammenzutreffen. Ich werde
nicht heimliche Ehen ein, und was ſollte außerdem Herrn Björn⸗ ſtam auch dazu veranlaßt haben? Ich meinestheils bin der Mei⸗ nung, daß man Sie betrogen hat, gnädige Frau, als man Ihnen * horſchihaßie, Ihr verſtorbener Sohn habe Frau und Kind hinter⸗ aſſen.
—„Man hat mich in dieſem Fall nicht betrogen,“ rief die alte Frau;„ich habe ja die Briefe in meiner eigenen Hand ge⸗ habt. Sie ſprachen nur allzu deutlich von Wilhelms Familie. Nein, Herr Kommiſſär, man hat achtzehn Jahre mich betrogen, als man dieſes Kindes Daſein mir verbarg, und mein Sohn be⸗ trügt mich zu dieſer Stunde. Glauben Sie, daß ich Moriz all ſeine Niederträchtigkeit verzeihen kann? Nein, ich will und werde ihn ſtrafen.“
„Ich glaube, Frau Oberlandrichterin, Sie müſſen Ihrer Sache ſehr gewiß ſein, ehe Sie Oberſt Björnſtam eines ſo ſchwe⸗ ren Verbrechens anklagen, wie dasjenige iſt, welches Sie ihm jetzt zur Laſt legen.“
„Ich bin es auch. Als ich nach der Entdeckung des Brief⸗ diebſtahls ihn aufforderte, mir Alles, was ſeines Bruders Heirath betraf, mitzutheilen, zog er in Abrede, daß Wilhelm verheirathet geweſen, und bat mich blos, alle Mittel aufzubieten, welche in meiner Macht ſtänden, um die Wahrheit hievon an's Licht zu bringen. Er verließ mich mit den Worten: Reiſen Sie nach England, Mutter; ſuchen Sie dort in jedem Hauſe, und Sie werden keine Frau finden, welche Ihres Sohnes Gattin geweſen, ſo wenig, als ein Kind, welches ihm das Leben zu danken hat.“
Die Oberlandrichterin ſchwieg.
„Ich habe ſelbſt die größten Vorurtheile gegen den Herrn Oberſt gehegt,“ äußerte der Kommiſſär;„ich habe in Folge von dem, was Sie gegen mich erwähnten, ihn im Verdacht gehabt, als trüge er eine Mitſchuld an des Bruders Tode, und wäre der Urheber von dem traurigen Ende ſeiner Frau, aber....“
„Seine Frau,“ ſiel die Oberlandrichterin, ihn unterbrechend, ein.„Sie hatte ich vergeſſen. Auch ſie war eine Engländerin. Ich habe ſie niemals geſehen; ich konnte es damals nicht über
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